EBAY Verkäufer lügen nie? "Top Zündung, hat bis zum Ausbau funktioniert"
Obwohl es meiner Meinung mittlerweile schon ein Frevel ist, Kulturgut wie Zündapp KS50 zur gewinnbringenden
Ersatzteilvermarktung auszuschlachten, werden seltene und vor allem teure
Ersatzteile auch häufig stümperhaft bei deren Demontage zerstört! Das originale schlechtere eBay Bild des
uneinsichtigen Verkäufers will ich nicht verlinken, aber auch bei
einigermaßen scharfen Bildern kann man die schweren Mängel kaum erkennen. Der Verkäufer versteigerte
diese Zündanlage (Frühsommer 2007) mit attraktiver Beschreibung im
großen virtuellen Auktionshaus und ein leidenschaftlicher Zündapp Sammler, ersteigerte sie
für 187.- Euro. Die Auktionsbeschreibung war mit folgenden zweideutigen Zeilen
garniert:
"TOP Zündung aus Zündapp KS50, hat bis zum Ausbau einwandfrei funktioniert. Aufgrund der geltenden
Rechtslage ohne Gewährleistung und Rücknahme, deshalb
versteigere ich die Zündung als defekt und versende sie nach dem Zahlungseingang auf mein Konto"!
Dem Höchstbieter und vermutlich auch anderen Interessenten wurde bei "Fragen an den Verkäufer"
versichert, daß sich die Zündanlage in einwandfreiem Zustand
befindet und auch tadellos funktioniert. Der unglückliche neue Besitzer fand später meine Webseite und
sendete mir die Teile zum überprüfen zu, weil der
Verkäufer völlig unkooperativ war und sogar mit rechtlichen Schritten drohte. Ich machte detaillierte
Bilder vom Polrad, wo man die
unprofessionellen Demontagearbeiten sehr
gut erkennen kann! Derartige Klauenabzieher verursachen
auch grobe Schäden an den Wicklungen, wenn sich das Polrad mitdreht, der Hochspangsladeanker wurde dabei
an mehreren Stellen beschädigt und auch eine Lichtspule zerstört.
Die uneinsichtige Vorgangsweise des Verkäufers grenzt an vorsätzlichen Betrug, 187.- Euro entsprechen
immerhin über 360.- DM und das ist für unbrauchbaren Schrott
zu teuer. Ein zweites Mal sein Glück im Auktionshaus zu versuchen ist nicht empfehlenswert, weil die Gefahr
sehr groß ist, erneut in den Dreck zu greifen und dafür
gutes Geld in den Sand zu setzen. Deshalb soll man versuchen derartige Teile zu reparieren, die Grundsubstanz
dieses Stators ist noch sehr gut und er hat vermutlich vor der
stümperhaften Demontage auch funktioniert? Zuerst entfernt man den Stator von der Trägerplatte und
demontiert anschließend den zerstörten
Hochspannungsladeanker vom Stator. Aufgrund von Isolierlack benötigt man dazu eine Heißluftpistole und
muß Spule und Stator auf ca. 150°C vorwärmen,
dann bringt man den Spulenkörper ohne mechanische Beschädigungen vom Statorblech. Die Wicklung ist mit
Isolierlack getränkt, dehalb soll man die defekte Spule ordentlich
einspannen und auffräsen. Nach dem reinigen kann man den Hochspannungsladeanker mit Kupferlackdraht der
Temperaturklasse "F" oder besser, auf einer Lagenwickelmaschine neu
wickeln und wieder in Isolierlack tränken. Ich empfehle ca. alle 750 Windungen eine dünne
Zwischenlagenisolierung,
der fertige Anker sollte mit mindestens 0,5
mm dicker Schutzschicht aus Glasgewebeband geschützt und mit
Isolierlack versiegelt werden.
Falls die restlichen parallelgeschalteten Lichtanker nicht mehr optimal und möglicherweise auch
beschädigt sind, ist es empfehlenswert alle 3 Lichtspulen neu
zu wickeln, Dazu entfernt man den alten Kupferlackdraht (3 x 160 Windungen Cul. 0,55mm) und
reinigt die Spulenkörper
ordentlich. Am sinnvollsten ist eine Neuwicklung der Lichstspulen von Hand,
dabei kann man viel Zeit sparen, wenn man dickeren 0,95mm Kupferlachdraht verwendet und die neuen Spulen im
abwechselnden Wicklungssinn in Reihe schaltet. Folglich teilt man die
Gesamtwindungszahl auf 3 Spulen auf, was beispielsweise 2 x 53 und 1 x 54 Windungen entspricht. Für
Zündanlagen mir stark magnetisierten Polrädern wäre es nicht
verkehrt einige Windungen mehr drauf zu wickeln, dann sinkt der Strom geringfügig, was unter anderem für
den wahlweisen Einsatz von
12 Volt 60/55 Watt H4 Lampen sehr
nützlich ist.